Ornament


Bedrohliche Bilder in heiteren Farben

 

„Das Ziel ist, durch die Verwirrung aller Sinne ins Unbekannte zu gelangen.“ (Arthur Rimbaud)

Der Arbeitsprozess der Bildgenese erfordert ein hohes Maß der Einfühlung und der Offenheit. Vergleichbar ist die Aufgabe des Malers mit der Erziehung von Kindern: es kommt bei jedem Arbeitsschritt darauf an, zu erkennen, was das entstehende Bild an Zuwachs benötigt, es zur Vervollständigung zu ergänzen. So gerate ich während des Malaktes in den Zustand des Flow: ich erfahre mich eher als Werkzeug, denn als Schöpfer des Bildes. Wenngleich jedem Bild ein grober Fahrplan zugrunde liegt, dem grundlegenden Konzept folgend, darf der Maler dem Bild seinen Willen nicht aufzwingen. Tut er dies dennoch, ist der Prozess zum Scheitern verurteilt: das Ergebnis vermag nicht zufriedenzustellen, weil es verkrampft und kraftlos erscheint.

Die Bilder besitzen schließlich eine Gravitationskraft, der sich der Betrachter nicht zu entziehen vermag. Läßt er sich darauf ein, wird er in die Bildwelt hineingezogen, tritt seine Seele in Kontakt mit den Energiefeldern des Bildraumes. Ein Dialog setzt ein. Selbst ich als Schöpfer entdecke stets Unbekanntes, Andersartiges, Neues in den Bildschichten, die aus sehr komplexen Synthesen bestehen. So werden z.B. sämtliche Positionen der abstrakten Kunst zitiert. Vermischt wird das Ganze beispielsweise mit Graffiti, Zeichnung, Collage und Weiterem. Interessenfelder, die mir Inspiration liefern sind: die Musik, Naturwissenschaften (z.B. Evolution, Genetik, Astronomie, Chaostheorie, Astrophysik)
Philosophie, Mythologie, Meditation, Psychologie (allgemeines Unterbewußtsein, C.G.Jung), Literatur, Theater, Oper, Tanz, Fotografie. Die Kenntnis der Kunstgeschichte ist unabdingbar. Künstlerische Positionen der Vergangenheit wollen entdeckt und verstanden sein. Nur in Kenntnis des bereits Vorhandenen vermag der Künstler Neues hervorzubringen. Die Geschichte ist gewissermaßen der fruchtbare Nährboden für die Entwicklung einer individuellen, authentischen bildnerischen Sprache. So interessieren mich beispielsweise Maler wie Hieronymus Bosch, Caravaggio, Tizian, El Greco, Francisco de Goya,Caspar Wolf, William Turner, Caspar David Friedrich,Arnold Böcklin, Paul Cézanne- obwohl all diese Meister gegenständlich gemalt haben.
Dies mag ein Hinweis darauf sein, das meine Bilder stets sehr reich aufgeladen sind mit einem breiten Assotiationsspektrum zur sichtbaren Welt. Sie formulieren keine narrative Herangehensweise sondern spiegeln Erklärungsmodelle des Weltgefüges, zeigen also   die verallgemeinerte Vorstellung von unserer Umwelt. Hinzu kommen noch das gesamte Spektrum der Emotionen. Diese werden beim Arbeitsprozess durch stark unterschiedliche Musik evoziert, die von der zarten Violinsonate über alle Facetten der Jazzmusik bis hin zum Industrial reicht. Es werden also keine Psychogramme meiner Person sondern allgemeingültige Seelenzustände aus dem kollektiven Unterbewußten schöpfend hervorgebracht.

Colllageartig füge ich verschieden Malweisen zusammen. Die Ölfarbe erlaubt ein breites  Spectrum an Möglichkeiten des Farbauftrages. Von lasurartig bis pastos, bei brilliantem Tiefenlicht, lassen sich mit Ölfarben sämtliche Aggregatzustände vermitteln. Dadurch vermittele ich dem Betrachter meinen stets vorhandenen Focus auf Gegensatzpaare: vieles ist nur durch die Ergänzung durch seinen Antagonisten denkbar. So existiert Weiß in unserer Vorstellung nur durch das Pendant Schwarz, das männliche Prinzip wird durch das weibliche ergänzt, Materie ist nur mit Antimaterie denkbar, „Ja“ kennen wir nur, wenn es auch „Nein“ gibt . Solange der Mensch glaubte, die Erde sei eine Scheibe, wurde der Horizont als gerade wahrgenommen. Seitdem wir wissen, dieser Globus ist eine Kugel, sehen wir die Trennungslinie zwischen Meeresspiegel und Himmel als Krümmung. Fundamentale Grundlage meines Konzeptes ist die Vorstellung, das alles im All und das All in allem enthalten sei, das unsere Vorstellung von „Oben“ der von „Unten“ entspricht (siehe Globus). Die Vorstellung von Mikro- und Makrokosmos werden miteinander vermischt; Dimensionen werden verschoben, räumliche Begebenheiten nicht klar definiert. Meine Bilder stellen ein Gewebe aus Raum und Zeit dar.

„Let's just immitate the real until we find a better one“ (Refrain aus: „Good lies“ von „The Notwist“


Wolf Raskin
im Okt. 2012

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